Über unsere Hunde und uns

Pashupati
Die Angst vor Hunden wurde mir mit der Muttermilch eingegeben. 43 Jahre lang hatte ich, um jeden Hund aus dem Weg zu gehen, große Umwege in Kauf genommen. Nun legte mich unsere flügge gewordene Tochter buchstäblich an die Hundeleine.

Hamster und Wellensittiche waren nicht mehr angesagt, die große Liebe zu den Pferden auf ein gesundes Maß herabgeschraubt und mit Lora, unserem Graupapagei, kann man zwar kommunizieren, aber nicht kuscheln. Nun sollte es endlich der lang ersehnte Hund sein. Es stimmt ja, Kinder sollen mit Haustieren aufwachsen, das fördert positive Eigenschaften ... Doch realistisch wie ich nun einmal eingestellt bin, sagte ich mir, der Enthusiasmus wird vergehen und was wird bleiben? - Mutter und Hund - ach was, Mutter und Hunde ...

Die Aussicht, mir eine Hunderasse zu zeigen, vor der ich keine Angst haben muss, machte mich neugierig und so fielen wir eines Tages bei Familie Schroth in Erftstadt ein und ihre Hunde über uns her. Pansy, die kleine "Engländerin" (Silgarhi Fancy Pansy), gerade ein halbes Jahr alt, sprang aus dem Stand bis an meine Nase und infizierte mich mit dem TT-Virus. (Ein wissenschaftlicher Beweis dafür, dass nicht nur Schnupfenviren derart ansteckend sind?)

Frau Schroth hatte auch gleich eine Adresse parat, wo wir uns eventuell kleine Welpen anschauen könnten. Am 06. Mai 1988 war in Hannover bei Frau Pox der erste "Njima"-Wurf gefallen und wir waren glücklich (ich tatsächlich auch!), uns dort ein kleines schwarzes Fellknäuel aussuchen zu dürfen. Im Juli 1988 zog Njima Ashimo in unser Heim - hier lebte er fast 15 Jahre - und unsere Herzen: hier lebt er auch nach seinem Tod im Oktober 2002 weiter.

Er war ein Studentenhund. In Natascha's Rucksack "durfte" er an Seminaren und Vorlesungen der medizinischen Fakultät Bonn teilnehmen. Das Pausenbrot war mit Leberwurst beschmiert ...hmm, wie lecker. Als dann aber das Semester der Pathologie anstand, mußte Shimo wohl oder übel zu Hause bleiben. Damit es ihm nicht zu langweilig wurde und auch Mama Götte ordentlich Beschäftigung hatte, wurden Überlegungen laut, sich doch nach einem Partner, bzw. einer Partnerin für Shimo umzusehen. Im Januar 1990 wurde sie geboren, Benny's Gyang Sinya. Shimo und Sinya wurden unzertrennlich und teilten sich die Aufgaben des täglichen Lebens. Sinya hatte zu Hause die Hosen an und draußen ließ sie ihm auch nur widerwillig den Vortritt. Deshalb hatte er auch keine Chance, ihr während der Läufigkeiten zu nahe zu treten. Ehe er den Mut faßte, war es mit der Standhitze vorbei.

Unser erster Wurf kam am 02.12.1994 nach Khados Union Jack zur Welt. Vier Mädels im Zwinger "Pashupati" (tib. König der Tiere) hielten Sinya und mich in den nächsten Wochen auf Trab. Im Dezember 1995 erhörte Sinya das Flehen ihres Partners und warf am 20.02.1996 einen Welpen, unsere Bin-tshi-mo (arab. Tochter von Shimo). Ihr dritter und letzter Wurf fiel am 25.07.1998 nach Na ran tsho E'Tschuringa, einem Sohn von Shimo mit Schanti's Xenja-Sheydon. Während eines traumhaft schönen Urlaubs auf Usedom im Jahr 2000 verweigerte Sinya plötzlich jegliches Fressen, trank näpfeweise Wasser und fing schrecklich an zu husten. Wir brachen unseren Urlaub ab, um "unseren Tierarzt", Dr. Funke, in Frechen zu konsultieren. Die Diagnose war niederschmetternd: Lungenkrebs. 10 Tage Zeit hatten wir, um uns von Sinya zu verabschieden. Die Spritze machte ihrem Leiden ein Ende.
Für mich war es zunächst Leid ohne Ende, wenn auch Shimo und Pashupati Chi-ka, die wir aus Sinya's letztem Wurf behalten hatten, alles daran setzten, um mich zu trösten. Sinya war der erste Hund, von dem ich so unvorbereitet Abschied nehmen mußte.

Shimo nahm uns am 01. Oktober 2002 die Entscheidung ab. In der Nacht erlitt er wahrscheinlich eine Lungenembolie, Herz und Kreislauf versagten und Dr. Funke gab ihm im Koma die erlösende Spritze. Obwohl uns bewusst war, dass Shimo mit 14 1/2 Jahren ein gesegnetes Hundealter erreicht hatte und die Spuren des Alterns auch an ihm nicht vorüber gegangen waren, fiel es uns schwer, an ein Leben ohne ihn zu denken. War es diese Ahnung, die mich dazu bewegt hatte, den am 18.05.2002 bei Familie Schroth geborenen "Benny's Tondu", im Juli zu uns zu holen?

Tondu ist mittlerweile unser Sonnenschein geworden, unermüdlich im Ausdenken neuer Überraschungen, dabei ungeheuer gelehrig, anpassungsfähig (so weit tibetische Art das zulässt) und einfach so lieb, wie wir uns einen Rüden wünschen. Chi-ka, der wir Tondu während einer Scheinträchtigkeit quasi "untergeschoben" haben, ist die perfekte Mama für ihn, leckt und putzt ihn, wo immer sie kann und verteidigt ihn gegen die Unbill der großen, feindlichen Welt und alle anderen Hunde. Muttergefühle sind ihr nicht unbekannt, hatte sie doch am 27.11.2001 unseren D-Wurf mit acht (!) strammen Welpen nach Tschal-Pa's Am-chou Dawa auf die Welt gebracht und in vorbildlicher Manier großgezogen. Ob sie auch Tondu als Vater ihrer zukünftigen Welpen akzeptieren wird? Wir werden es sehen.

Mit den Hunden ist die Ruhe bei uns eingekehrt. Während es mich in meiner Sturm- und Drangzeit zwischen 1978 und 1991 als Ägyptologin und Studienreiseleiterin immer wieder zu den Altertümern der Antike gezogen hat, wurde ich durch die Hunde zwangsläufig sesshaft, denn mein Mann füttert sie zwar gerne (viel zu oft und viel zu viel), aber ansonsten bin ich für sie zuständig. Doch ganz auf das Altenteil wollte ich mich doch nicht zurückziehen. Der Einsatz im Internationalen Klub für tibetische Hunderassen (KTR) e.V. begann zunächst mit sporadischen Einsätzen bei Ausstellungen, sei es als Schreiber oder Organisator und endete letztendlich in der Vorstandsarbeit, zunächst als Kassenführerin und von 1999 bis 2001 als Vorsitzende des Vereins. Ich möchte diese Lehr- und Wanderjahre in der Kynologie niemals missen, weiß aber auch, dass mein Platz nunmehr uneingeschränkt bei meiner Familie (mit Ehemann, Kindern, Enkelkindern und Oma) und meinen Hunden, Chi-ka und Tondu, ist.

 

chi&ton

 

Karin Götte verstarb im März 2013 nach kurzer schwerer Krankheit

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